Weltweit führend bei E-Rechnungen: Finnlands Erfolgsstory

Warum ist Finnland ständig weltweit führend, wenn es um elektronische Rechnungsstellung geht, und wie profitieren die rund 250.000 Kleinstunternehmen des Landes davon? In diesem Artikel erklären wir, was andere Länder nach Meinung der Experten von dem nordischen „Rockstar“ der elektronischen Rechnungsstellung lernen können.

„Man kann sich kaum vorstellen, Rechnungen wieder auf die alte Art zu verschicken und zu bezahlen“, sagt der finnische Unternehmer Aki Rouvinen, der Baustoffe aus Europa importiert. „Man spart unglaublich viel Zeit und Geld.“

Finnland ist auf dem Gebiet der elektronischen Rechnungsstellung ein internationaler Star (und vielleicht nicht ohne Grund die Heimat von Zervant). Nach einer Statistik der Bank of Finland wurden hier 2017 insgesamt 330 Millionen E-Rechnungen versendet.

„In Finnland kommen E-Rechnungen relativ gesehen wesentlich häufiger vor als in anderen Teilen der Welt“, stellt Bo Harald fest, der sich durch die Einführung des Online-Banking in Finnland einen Namen gemacht hat. Er wurde von Institutional Investor zu einem der einflussreichsten Technologen des 20. Jahrhunderts ernannt.

„Es gab Zeiten, als Nordea mehr elektronische Rechnungszahlungen als irgendeine andere Bank und Finnland auch in absoluten Zahlen mehr E-Rechnungen als irgendein anderes Land der Welt hatte. Inzwischen haben jedoch wesentlich größere Länder die Führung übernommen.”

Harald war in jede Phase der Entwicklung involviert. Seiner Ansicht nach basiert Finnlands Erfolgsstory auf einem langen Prozess, der immer noch andauert und umfassende Netzwerke und enge Partnerschaften zwischen Banken, staatlichen Institutionen und Privatunternehmen erfordert.

Die Netzwerke umfassen kleinere Player, die in den Markt eingestiegen sind, um Dienstleistungen für spezielle Zielgruppen anzubieten. Unternehmen wie Zervant haben durch ergänzende Leistungen für Rechnungsversender den Markt aufgemischt. Auf den Rechnungsempfang dagegen erheben traditionell etablierte Banken Anspruch.

Mattias Hansson, CEO und Mitbegründer von Zervant, sieht einen wesentlichen Faktor für Finnlands Erfolg darin, dass hier Standards geschaffen wurden, die die Interoperabilität zwischen Systemen und E-Rechnungsnetzwerken ermöglicht haben.

„Hinzu kommt, dass Finnland schon früh in den E-Rechnungssektor investiert hat, mehrere Jahre, bevor dieser durch eine EU-Verordnung reguliert wurde.“

Alles dreht sich nur ums Geld

Einer der Hauptgründe für den Eifer bei der Durchsetzung der elektronischen Rechnungsstellung ist einfach: Geld. Das Einsparungspotenzial ist gewaltig – nicht nur für Unternehmen, sondern für das ganze Land.

„Nach Berechnungen des finnischen Industrieverbands belaufen sich die jährlichen Einsparungen für Unternehmen auf bis zu 2,8 Milliarden Euro. Das finnische Schatzamt rechnet mit Einsparungen von insgesamt 150 Millionen Euro im staatlichen Sektor und der Verband der Gemeinde- und Regionalverwaltungen des Landes mit weiteren 150 Millionen Euro für seinen Bereich“, erklärt Harald.

„Insgesamt könnten sich daraus jedes Jahr Einsparungen von über drei Milliarden Euro landesweit ergeben.“

Die Entwickler der elektronischen Rechnungsstellung legten großen Wert darauf, das Versenden einer E-Rechnung ebenso einfach zu gestalten wie das Bezahlen. Das erreichte man durch einen gemeinsamen Standard, genannt Finvoice, und den besonders interoperablen TEAPPS-Standard.

„Ziel war, dass jeder mit funktionierenden Fingern in der Lage sein sollte, E-Rechnungen zu verschicken“, erzählt Harald, „insbesondere die über 200.000 Kleinstunternehmen in Finnland.“

Harald zufolge ist der Sektor offen für alle Arten von Playern. Dieser Wettbewerb hat Möglichkeiten für kleinere FinTech-Unternehmen im Lande geschaffen. Zervant beispielsweise konzentriert sich auf Kleinunternehmen, die oft keine eigenen Rechnungssysteme und Software-Programme haben.

„Die Branche hat sich bisher vor allem an den öffentlichen Sektor und an Großunternehmen gewandt. Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass über 90 Prozent der Unternehmen weniger als zehn Angestellte haben“, gibt Hansson zu bedenken. „Ein beachtlicher Teil dieser kleinen Firmen sind Zulieferer von großen Unternehmen. Es wird von ihnen erwartet, dass sie E-Rechnungen verschicken.

Dafür fehlten ihnen aber die technischen Voraussetzungen. Wir gründeten Zervant mit der Absicht, auch Mikro- und Kleinunternehmen leichten Zugang zur elektronischen Rechnungsstellung zu verschaffen.“

Mit gutem Beispiel voran

Angesichts der Tatsache, dass große Unternehmen und öffentliche Organisationen von ihren Subunternehmern E-Rechnungen verlangen und Regelwerke die elektronische Rechnungsstellung fördern, kann Finnland für andere Länder ein Beispiel sein.

Harald ist zuversichtlich, dass Finnland sowohl groß als auch klein genug ist, um ausreichende Netzwerke aufzubauen und alle Parteien an einen Tisch zu holen. Hinzu kommt, dass das Wettbewerbsklima die Entwicklung bei FinTech-Unternehmen vorantreibt. Ihr Ziel ist es, sich gegenseitig zu übertreffen. In anderen Bereichen ist man mit der Standardisierung und Einbeziehung von Banken in den Prozess langsamer vorangekommen.

„Die Umstellung kann nicht über Nacht geschehen“, betont Harald. „Finnlands bahnbrechende Arbeit ist Schritt für Schritt erfolgt. Andere sollten diesem Beispiel folgen.“

Mit konkreten Beweisen für die Vorteile der elektronischen Rechnungsstellung und einer richtungsweisenden EU-Verordnung ist Harald davon überzeugt, dass wir in einigen Jahren E-Rechnungen nicht einmal mehr als besondere Form der Rechnungsstellung erwähnen werden. Sie werden vielmehr die Regel sein und bald die einzig akzeptable Art, Rechnungen zu verschicken und entgegenzunehmen.

„Das wird nicht mehr allzu lange dauern. Ich habe Millionen von Gründen, das zu glauben.“

Auch Aki Rouvinen hat festgestellt, dass E-Rechnungen in der Baubranche immer beliebter werden. Aber die Mühlen mahlen langsam. „Wir bekamen kürzlich von einem unserer Partner in Deutschland einen Brief mit der normalen Post. Darin wurde uns mitgeteilt, dass die Firma zurzeit auf elektronische Rechnungsstellung umstellt. Um mein Einverständnis zu erklären, sollte ich das Formular unterschreiben und es per Fax an sie zurückschicken. Immerhin, es ist ein Schritt in die richtige Richtung!“

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