Arianna Huffington – Digitaler Detox für die Sklaven der Technologie

Nach etwa 20-minütiger Verspätung betrat Arianna Huffington gestern Nachmittag die (meiner Meinung nach etwas fraglich platzierte) Bühne des Nordic Business Forums Helsinki.

Von Stress oder Hetze keine Spur. Entweder ließ sich die Mitbegünderin der Online-Zeitung Huffington Post nichts anmerken, oder sie hat tatsächlich die Gelassenheit mit dem Löffel gegessen.

Die US-Amerikanerin mit griechischen Wurzeln wies gleich zu Beginn auf ihren Akzent hin: “Ja, ich rede wirklich so”.

Arianna verstellt sich nicht und redet so, wie ihr der Mund gewachsen ist. Das ist authentisch und sympathisch. Sie steht zu ihren Schwächen und nutzt sie zu ihrem Vorteil.

Das Thema des Talks war eigentlich, wie Social Media die Kommunikationsgesellschaft revolutioniert hat. Doch letztendlich ging es um viel mehr.

Nachdem sie uns auf ein kurze Zeitreise durch die Entwicklung von Social Media und der Huffington Post genommen hat, begann sie über Work-Life-Balance zu sprechen.

arianna huffingtonIn ihrem Talk zeigte sie nicht nur gesellschaftliche Probleme auf, sondern sprach auch von guten Führungsqualitäten in Unternehmen, und dass die Technologie unser Freund und gleichzeitig auch unser schlimmster Feind ist.

Eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte.


“Wie definierst du Erfolg?

Wenn wir von Erfolg hören, denken wir oft an materiellen Besitz, eine glamouröse Karriere und das nötige Taschengeld dazu. Doch Erfolg spielt sich auch auf vielen anderen Ebenen ab.

“Definierst du Erfolg so, dass du auf Geld und Karriere setzt? Dann sitzt du auf einen Stuhl mit zwei Beinen. Du magst zwar für eine Weile lang balancieren können, aber irgendwann wirst du auf den Boden fallen. So wie ich, als ich vor 8 Jahren wegen Schlafmangels zusammengebrochen bin.”

Jeder definiert Erfolg anders. Doch das Streben nach Geld und Macht alleine macht nicht glücklich.

Frage an dich: Wie definierst du Erfolg? 


If it bleeds, it leads

Täglich werden wir von Horrornachrichten und Katastrophenberichten von den Medien bombardiert. Ist die Welt wirklich so schlecht?

Tatsache ist, 95 % aller Nachrichten, sind schlechte Nachrichten. Nicht, weil 95 % der Welt schlecht ist, sondern weil wir als Leser einerseits nach Sensationen, nach etwas Außergewöhnlichem suchen und anderseits informiert und im weiteren Sinne gewappnet sein wollen. Es könnte uns ja auch passieren.

Doch die Welt ist so viel mehr, als wie es uns die Medien vorgaukeln wollen.

Zu diesem Thema habe ich auch einen interessanten Ausschnitt aus einem Interview mit Hans Rosling gefunden (auf Schwedisch/Dänisch mit englischen Untertiteln):

Worüber jedoch weniger in den Nachrichten berichtet wird sind die innovativen Unternehmen, die kleinen, aber kontinuierlichen Fortschritte und die Entdeckung von neuen Lösungen, an denen Menschen weltweit arbeiten.

Wenn wir uns mehr auf das Positive konzentrieren, werden wir auch mehr Positives in unserem Leben sehen.

Frage an dich: Lässt du dich von den negativen Schlagzeilen entmutigen? Oder fokussierst du dich lieber auf Innovation und Kreativität?


“Schlafe nicht mit deinem Handy im selben Raum”

Arianna rät, das Handy nachts nicht neben unseren Betten aufzuladen, sondern es komplett auszuschalten und am besten vor die Schlafzimmertür zu legen.

Wenn wir abends im Bett liegen bzw. in der Nacht aufwachen, werden wir nach ein paar Mal Sich-im-Bett-Hin-und-Herdrehen unvermeidlich nach unseren Handys greifen. Facebook, Twitter, Instagram, vielleicht sogar die Huffington Post checken. Das ist schlecht, denn dadurch aktivieren wir unsere Gehirne, was uns wiederum in einen unruhigen Schlaf zurückkehren lässt.

Eine interessante Aussage, wenn man bedenkt, dass Arianna mit einer Online-Zeitung ihren größten kommerziellen Erfolg feiert.

Doch Arianna verspricht uns: “Dein Smartphone wird am nächsten Tag noch da sein, auch wenn du nicht daneben schläfst”.

Frage an dich: Achtest du mehr auf die Batterie deines Smartphones, oder auf deine eigene ‘Batterie’?


Digitaler Detox

Geschäftsführer und Entscheidungstreffer rühmen sich oft mit vollen Terminkalendern und schlaflosen Nächten. Es gibt keine Trennung zwischen Arbeit und Privatleben.

Viele Aufsteiger meinen, sie müssen genau so handeln. Da werden E-Mails mitten in der Nacht und sogar im Urlaub beantwortet. Doch Arianna hat ihre ganz eigene Methode, wie sie mit solchen Störenfrieden umgeht.

“Wenn ich im Urlaub bin, habe ich, wie viele andere auch, eine automatische Out-Of-Office-Antwort eingestellt. Darin steht, dass ich urlaube, wichtige Angelegenheiten einer Vertretung geschickt werden können, und, dass diese Mail automatisch gelöscht wird. Wenn mich also jemand erreichen möchte, dann soll er das nach meinen freien Tagen machen. Wissen Sie, wie schön es ist nach dem Urlaub die Arbeit wieder aufzunehmen, und keine einzige neue Mail in der Inbox zu haben?”

Frage an dich: Schreibst / beantwortest du Mails in der Nacht / im Urlaub? Wie beeinflusst das dein Befinden?

Zu Digital Detox gibt es auch eine spannende Rubrik in der Huffington Post.


Hier noch eine Zusammenfassung des Talks als Sketch:

arianna huffington zusammenfassung
Sketch vom NBForum http://www.nbforum.com/blog/arianna-huffingtons-presentation-as-sketchnotes-nbforum2015-ariannahuff/

Arianna Huffington konnte definitiv mit ihrer Offenheit und Ideen inspirieren. Sie ist eine interessante Persönlichkeit, der es vielleicht hier und da an Charisma mangelt, dies jedoch mit Authentizität und Gespür für das Wesentliche ausgleicht.

Eine amüsante Anekdote gegen Ende des Talks: Bei einem Abendessen saß Arianna einen anscheinend sehr beschäftigten Gesprächspartner gegenüber. Er prahlte damit, gestern Nacht nur vier Stunden geschlafen zu haben. Ariannas Reaktion?

“Und wenn du 5 Stunden geschlafen hättest, wäre dieser Abend wesentlich interessanter gewesen”.

Doch ausgesprochen hat sie diesen Gedanken nicht.